Benachteiligung von Frauen

Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb

von Iryna Spektor

7. Humankapitaltheorie und das Arbeitsangebot verheirateter Frauen

Im Humankapitalansatz wird die individuelle Investition in Bildung oder Qualifizierung[13], gemessen als Zeit, die für beides aufgebracht wurde, der Schlüsselfaktor in der Erklärung von erzieltem Lohn und erzielter Auswahl an Arbeitsplätzen.

Arbeitslosigkeit bzw. Nichterwerbstätigkeit basiert im Humankapitalansatz auf einer freiwilligen Entscheidung bzw. stellt ein individuelles Investitionsrisiko dar[14]. Humankapitaltheoretiker[15] führen z.B. geschlechtsspezifische Segregation am Arbeitsmarkt und geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede[16] auf die jeweils unterschiedlichen Investitionen in Humankapital zurück. Nach dieser Argumentation akkumulieren Frauen weniger Humankapital als Männer, da sie mehr Zeit für Haus- und Familienarbeit aufwenden. Letztendlich sind hierfür die (gegebenen) ‚Präferenzen’ verantwortlich. Im Sinne dieser Humankapitaltheoretiker geht auch Becker (1985) davon aus, dass sich Ehefrauen völlig rational verhalten, wenn sie bei gleichem Humankapital und gleicher Ausstattung geringer bezahlte Tätigkeiten ausüben als Männer. Die Entlohnung kann für Ehefrauen vor allem deshalb niedriger ausfallen, weil sie sich stärker als Männer im Haushalt engagieren.

Die Existenz von Diskriminierung wird als Ursache der geringeren Bezahlung zumindest in der langfristigen Entwicklung ausgeschlossen, da diskriminierende Arbeitgeber Männern einen erhöhten Lohn zahlen, der für sie einen Wettbewerbsnachteil darstellt und im Laufe der Zeit die Diskriminierung verschwinden lässt (economics of diskrimination, Becker 1971).

Eine solche Entscheidungssituation generell als „frei“ zu bewerten, vernachlässigt jedoch Machtverteilungen und gesellschaftliche Zwänge. Frauen wird aufgrund ihrer „Präferenz“ für Familienarbeit die Verantwortung für ihre geringere Bezahlung zugeschrieben, Männer werden von der Familienarbeit – für die sie keine „Präferenz“ haben – weitgehend entbunden.

[13] Vgl. Ostner, Ilona; Das Konzept des weiblichen Arbeitsvermögens; Arbeitspapiere aus dem Arbeitskreis RAMF, 1990, S.22

[14] Differenziertere Ansätze beziehen unvollkommene Informationen und damit das Investitionsverhalten unter Risiko mit ein (Vgl. Altonij 1993, Orazem/Mattila 1991)

[15] Z.B.Polachek(1981), Mincer/Polachek(1974/1978), Mincer/Ofek(1982)

[16] Zu den Einkommensunterschieden vgl. OECD (1998a), Grimshaw/Rubery (1997)