Benachteiligung von Frauen

Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb

von Iryna Spektor

4.2 Geschlechtsspezifische Humankapitalinvestitionen in Kinder

Die Weichen für Investitionen in Humankapital werden zumeist bereits in der Kindheit von den Eltern gestellt. Traditionelles Rollendenken kann zu unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Investitionen kommen[7]. Und auch die Gestaltung institutioneller Rahmenbedingungen, die erst die Möglichkeit der Ausbildung von arbeitsmarktrelevantem Humankapital eröffnen, bleibt von den Auffassungen über die Rolle der Geschlechter nicht unbeeinflusst. In Deutschland wurden beispielweise erst 1889 erstmals Realkurse für Frauen eingerichtet[8], erst 1896 bestanden die ersten sechs Mädchen das Abitur an einem Mädchengymnasium in Berlin und erst zwölf Jahren später wurden die Universitäten für Frauen geöffnet[9].

Höhere Humankapitalinvestition von Eltern in die Erziehung von Söhnen im Vergleich zu Töchtern können aus ökonomischer Sicht nach Paul T. Schultz (1995) von drei Motiven geleitet sein:

1) Die privaten individuellen returns aus der Erziehung von Mädchen sind geringer als die von Jungen. Dies beinhaltet, dass die Arbeit zwischen Männern und Frauen nur imperfekt substituierbar ist.

2) Später könnten geringere finanzielle Transfers von Mädchen an die Eltern zurückfließen.

3) Eltern erhalten mehr Befriedigung aus dem ökonomischen Erfolg der Söhne im Vergleich zu den Töchtern.

[7] Vgl. Holst, Elke; Die Stille Reserve am Arbeitsmarkt, Sigma; Berlin 2000; S.59

[8] Deutscher Bundestag 1998b

[9] Abgesehen davon werden auch Lehrinhalte von Rollenvorstellungen und das Gebaren an Schulen und Hochschulen von den sie dominierenden Kräften geprägt.