Benachteiligung von Frauen

Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb

von Iryna Spektor

10.2 Echte Benachteiligungen insbesondere bei den hochqualifizierten Berufen

Die im vorigen Kapitel dargestellten durchschnittlichen Einkommensnachteile der Frauen sind, wie schon beschrieben, kaum verwunderlich, wenn man mit in Betracht zieht, dass bei einer Vielzahl an typischen Frauenberufen einfach weniger Gehalt gezahlt wird. Diese geringeren Gehälter liegen zum einen daran, dass Frauen vermehrt in Branchen arbeiten, bei denen tendenziell eher weniger bezahlt wird. Als Beispiel sei hier die Gesundheitsbranche angeführt, wo typischerweise Frauen im Pflegebereich oder als Praxispersonal arbeiten. Gerade medizinische Fachangestellte oder Krankenpflegehelfer, die keine besonderen Qualifikationen oder Weiterbildungen absolviert haben, liegen dann beim Einkommen eher im unteren Bereich (siehe die verlinkten Quellen). In diesen Fällen kann auch nicht von einer expliziten Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern gesprochen werden, da Männer, wenn sie in diesen Berufen arbeiten, auch nicht mehr verdienen würden. Vielmehr resultieren Einkommensnachteile hierbei oft in Folge einer geringeren beruflichen Qualifikation.

Interessanter sind die Fälle, bei denen Frauen und Männer die gleiche Arbeit erledigen, aber Frauen trotzdem weniger Gehalt bekommen. Diese direkte Form der Benachteiligung tritt insbesondere bei hochqualifizierten Berufen auf, wo außertariflich gezahlt wird und die Arbeitnehmer ihr Gehalt selbst mit dem Arbeitgeber aushandeln müssen. Bei den großen deutschen Unternehmen erhalten zum Beispiel weibliche Führungskräfte der Managementebene in etwa durchschnittlich 20 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen (siehe diesen Artikel). In einigen Branchen können die Einkommensdifferenzen unter den Führungskräften sogar auf 50 Prozent anwachsen.

Das Thema Entgeltgerechtigkeit ist bei den großen Konzernen also noch nicht wirklich angekommen. Denn die Einkommensdifferenzen blieben die letzten Jahre in etwa weitgehend konstant. Meist beginnen die Gehaltsunterschiede dabei schon mit dem Einstiegsgehalt und setzen sich dann die Jahre über fort. Ein genaues Verhandeln auch beim ersten Gehalt ist gerade für weibliche High Potentials also unerlässlich, will man nicht schon am Beginn der Karriere den männlichen Kollegen hinterherhinken.