Benachteiligung von Frauen

Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb

von Iryna Spektor

9. Weibliche Erwerbsbiographien und beruflicher Aufstieg

Die Abweichung des weiblichen Biographiemodells[22] vom Männlichen ist folgenreich für die Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt, da das System der Erwerbsarbeit ist gerade in den höheren Positionen auf das männliche Erwerbsmodell zugeschnitten ist: auf den kontinuierlich erwerbstätigen, von Familienpflichten freien „Normalarbeitnehmer", der seine Zeit und seine Energien ganz in den Dienst des betrieblichen Alltag stellt. In einem Erwerbssystem, das seine Privilegien an die Norm des männlichen Erwerbsmodells knüpft, bedeuten die Merkmale des weiblichen Modells ein erhebliches Handicap für die Frauen.

Benachteiligungen entstehen einerseits, wie das auch bei Lappe angedeutet wird, durch „Alltagstheorien“, die in die Entscheidungen der Personalchefs eingehen: Frauen wird qua Geschlecht Familienbezug und Diskontinuität zugeschrieben. Es wird von vornherein schon unterstellt, dass Frauen zeitlich weniger verfügbar und weniger mobil seien als Männer, unabhängig davon, ob eine Frau nun individuell das weibliche Lebensmodell praktiziert oder nicht. Die Betriebe sind deshalb bei Frauen weniger bereit als bei Männern, für ihre Weiterqualifizierung zu zahlen oder sie für höhere Positionen vorzusehen[23].

[22] Vgl. Pfau-Effinger, Birgit; Geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt: Grenzen segmentationstheoretischer Erklärung; Arbeitspapiere aus dem Arbeitskreis RAMF, 1990, S.13

[23] Vgl. Braszeit u.a.; Einschtellungsverfahren von Arbeitgebern und Beschäftigungschancen von Frauen, Forschungsbericht des Bundesministers für Arbeit und Sozialforschung; Dortmund 1989